Schinken und Speck sind nicht das Problem: Warum traditionelle Lebensmittel unter Druck geraten
Der Schutz der Gesundheit unserer Kinder ist wichtig. Doch traditionelle Produkte österreichischer Bauern und kroatischer Familienbetriebe dürfen nicht pauschal mit hochverarbeiteter Industrienahrung gleichgesetzt werden.
Der Schutz von Kindern vor Übergewicht und gesundheitlichen Folgen falscher Ernährung ist wichtig und notwendig. Darüber sollte es kaum eine Diskussion geben.
Trotzdem muss die Frage erlaubt sein, warum traditionelle Lebensmittel kleiner Familienbetriebe zunehmend unter Druck geraten, während hochverarbeitete Industrienahrung mit langen Zutatenlisten weiterhin die Supermarktregale füllt.
Kulen, Pršut, Schinken, Speck, Hauswürste und Käse aus bäuerlicher Herstellung sind keine Produkte aus dem Labor. Sie entstehen auf Bauernhöfen, aus regionalen Rohstoffen und nach Rezepturen, die häufig seit Generationen weitergegeben werden.
Viele Fleisch- und Käseprodukte sind Teil der regionalen Kultur, Landwirtschaft und bäuerlichen Identität.
Konsumenten haben ein Recht auf klare Angaben zu Salz, Fett, Zucker und Zusatzstoffen.
Kleine Bauernhöfe und internationale Lebensmittelkonzerne dürfen nicht nach unterschiedlichen Maßstäben beurteilt werden.
Tradition ist kein Industrieprodukt
Natürlich enthalten Schinken, Speck oder Hauswürste Salz und Fett. Das ist bekannt und muss transparent angegeben werden.
Doch ein traditionell hergestelltes Lebensmittel mit wenigen klar erkennbaren Zutaten ist nicht automatisch mit einem industriellen Produkt gleichzusetzen, das Emulgatoren, Farbstoffe, künstliche Aromen, Stabilisatoren, Ersatzfette und zugesetzten Zucker enthält.
Neben dem Nährwert müssen auch der Verarbeitungsgrad, die Herkunft der Rohstoffe, die übliche Portionsgröße und die Häufigkeit des Konsums berücksichtigt werden.
Wer Gesundheit schützen will, muss dieselben Maßstäbe auf traditionelle Produkte, Softdrinks, Energydrinks, Süßwaren und hochverarbeitete Lebensmittel anwenden.
Redaktioneller Standpunkt von TV Wien / TV Beč
Wenn Warnhinweise auf Speck kommen, müssen sie auch auf Zucker stehen
Wenn traditionelle Fleischprodukte wegen ihres Salz- oder Fettgehalts mit Warnhinweisen versehen werden sollen, dann müssen stark gezuckerte Getränke, Energydrinks, Süßigkeiten und Produkte mit langen Zusatzstofflisten ebenso deutlich gekennzeichnet werden.
Es wäre schwer nachvollziehbar, wenn ein regionaler Schinken aus wenigen Zutaten auffällig markiert würde, während ein Getränk mit einer sehr hohen Menge zugesetzten Zuckers lediglich eine kleingedruckte Nährwerttabelle auf der Rückseite trägt.
Ein glaubwürdiges System darf nicht den Eindruck erwecken, traditionelle Lebensmittel seien das Hauptproblem, während aggressiv beworbene Industrieprodukte kaum sichtbar kritisiert werden.

Österreichische Bauern dürfen nicht die Verlierer sein
Österreich lebt von seiner Landwirtschaft. Tausende Familienbetriebe produzieren Fleisch, Speck, Schinken, Käse und andere regionale Spezialitäten. Sie investieren in Tierhaltung, Qualität, regionale Wertschöpfung und den Erhalt ländlicher Räume.
Gleichzeitig kämpfen viele Höfe mit steigenden Energiepreisen, höheren Produktionskosten, Personalmangel und wachsender Bürokratie.
Jede zusätzliche Kennzeichnungspflicht bedeutet für einen kleinen Betrieb wesentlich mehr Aufwand als für einen internationalen Konzern mit eigenen Rechts-, Marketing- und Entwicklungsabteilungen.
- den Gehalt an Salz, Zucker und gesättigten Fettsäuren
- den Grad der industriellen Verarbeitung
- Art und Anzahl der Zusatzstoffe
- die tatsächlich übliche Portionsgröße
- die Häufigkeit des Konsums
- die Herkunft und Qualität der Rohstoffe
- die Unterschiede zwischen bäuerlicher und industrieller Produktion
- den zusätzlichen Aufwand für kleine Familienbetriebe
Übergewicht entsteht nicht durch eine Scheibe Schinken
Gesundheit hängt nicht von einem einzelnen Lebensmittel ab. Entscheidend sind die gesamte Ernährung, die Portionsgrößen, Bewegungsmangel, dauerhaft hoher Zuckerkonsum, ständig verfügbare Snacks, Stress und ein überwiegend sitzender Lebensstil.
Eine Scheibe Schinken oder Speck, die gelegentlich gemeinsam mit Brot, Käse und Gemüse gegessen wird, kann nicht isoliert für ein komplexes gesellschaftliches Gesundheitsproblem verantwortlich gemacht werden.
Kinder brauchen Ernährungsbildung, mehr Bewegung, leicht verfügbares Trinkwasser und Schutz vor aggressiver Werbung für stark gezuckerte und hochverarbeitete Produkte.
Regionale Lebensmittel brauchen Schutz statt Stigmatisierung
Gesundheitsschutz und traditionelle Landwirtschaft dürfen kein Widerspruch sein.
Verbraucher haben ein Recht auf transparente Informationen. Sie haben aber auch ein Recht darauf, dass regionale Qualitätsprodukte fair beurteilt werden und nicht pauschal als gesundheitliche Gefahr dargestellt werden.
Das gilt für österreichischen Speck, Schinken, Hauswürste und Käse genauso wie für kroatischen Kulen und Pršut.
Auch bei hochverarbeiteten Produkten müssen Zusatzstoffe, Ersatzfette und industrielle Zutaten für Konsumenten verständlich sichtbar werden.
Der österreichische Bauer darf nicht zum Verlierer neuer Kennzeichnungssysteme werden, während große Lebensmittelkonzerne lediglich Rezeptur und Verpackung anpassen und anschließend weitermachen wie bisher.
Traditionelle Lebensmittel sind Teil unserer Kultur, unserer Geschichte und unserer regionalen Identität. Gesundheitsschutz darf nicht dazu führen, dass bäuerliche Produkte stigmatisiert und kleine Familienbetriebe weiter unter Druck gesetzt werden.
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