Ab 1. März reicht ein ENC-Gerät allein nicht mehr: Kroatiens Autobahnen bekommen ein völlig neues Mautsystem
Die klassischen Mautstationen verschwinden, die Fahrt soll ohne Anhalten möglich sein, und das Kennzeichen wird zu einem der wichtigsten Datenpunkte im neuen Crolibertas-System. Fahrer müssen künftig darauf achten, dass Fahrzeug, Zahlungsart und ENC korrekt miteinander verknüpft sind, bevor sie auf die Autobahn fahren.

Für kroatische Autofahrer bedeutet der 1. März 2027 nicht nur das Ende des Wartens vor den Mautstationen. Dieses Datum bringt eine der größten Veränderungen auf den Autobahnen seit Jahrzehnten: Die klassische Mautabfertigung mit Ticket, Schranke und Zahlung bei der Ausfahrt wird durch ein System ersetzt, das Fahrzeuge während der Fahrt erkennt und die Maut ohne Anhalten berechnet. Auf den ersten Blick wird alles einfacher. Hinter diesem einfacheren Durchfahren steckt jedoch eine völlig andere Logik: Das System muss im Voraus wissen, welches Fahrzeug unterwegs ist, auf welche Weise die Maut bezahlt wird und welche Daten mit diesem Fahrzeug verknüpft sind.
Das neue elektronische Mautsystem mit dem Namen Crolibertas wird nach dem Prinzip des freien Verkehrsflusses funktionieren. Das bedeutet: keine Schranken mehr, kein starkes Abbremsen, kein Öffnen des Fensters und kein Bezahlen bei einem Mitarbeiter. Fahrzeuge fahren unter Kontrollportalen hindurch, während das System sie über ein ENC-Gerät oder über die automatische Kennzeichenerkennung identifiziert.
geplanter Start des neuen Mautsystems
ENC und automatische Kennzeichenerkennung
sind im kroatischen Autobahnnetz vorgesehen
Autobahnnetz sollen vom neuen System erfasst werden
ENC bleibt – funktioniert aber nicht mehr so wie heute
Für viele kroatische Autofahrer wird die größte praktische Veränderung nicht das Verschwinden der Schranken sein, sondern das neue Verhältnis zwischen dem ENC-Gerät und dem Fahrzeug. Heute ist es für viele Familien selbstverständlich, ein ENC-Gerät aus einem Auto herauszunehmen und in einem anderen Fahrzeug zu verwenden. Im bestehenden System ist das in vielen Fällen möglich, solange die Fahrzeuge derselben Kategorie angehören. Das neue System verändert diese Gewohnheit deutlich.
Wer sich auch künftig für ENC entscheidet, muss das Kennzeichen des Fahrzeugs mit dem Gerät im elektronischen Mautsystem verknüpfen. Mit anderen Worten: Es wird nicht mehr ausreichen, ein ENC-Gerät einfach aus einem Auto herauszunehmen, es in ein anderes Fahrzeug zu legen und auf die Autobahn zu fahren, als hätte sich nichts geändert. Das System wird sowohl das Gerät als auch das Kennzeichen erfassen, und die Daten müssen mit den hinterlegten Angaben übereinstimmen.
Das ist ein entscheidender Unterschied zum heutigen Modell. Derzeit weist HAC in seinen Regeln darauf hin, dass ENC bei den meisten leichten Fahrzeugen nicht zwingend an ein einzelnes Kennzeichen gebunden ist, sondern an eine Fahrzeugkategorie. Im neuen System wird diese Zuordnung deutlich genauer, weil das Fahrzeugkennzeichen zu einem der zentralen Elemente der Kontrolle und Abrechnung wird.
Ab dem 1. März wird nicht mehr nur die Frage wichtig sein, ob jemand ein ENC-Gerät besitzt. Entscheidend wird sein, ob ENC, Kennzeichen und Zahlungsart mit den Daten im neuen System übereinstimmen.
Wer kein ENC hat, muss nicht automatisch eines kaufen
Für Fahrer von Pkw gibt es eine wichtige gute Nachricht: ENC wird nicht verpflichtend sein. HAC sieht für leichte Fahrzeuge zwei parallele Modelle vor. Das erste bleibt ENC beziehungsweise die DSRC-Technologie. Das zweite basiert auf der automatischen Erkennung des Kennzeichens durch Kameras. Gerade dieses zweite Modell ist besonders wichtig für Gelegenheitsnutzer und ausländische Autofahrer, die kein kroatisches ENC-Gerät besitzen.
Das System wird über die Portale das Fahrzeug erfassen, Einfahrt und Ausfahrt auf der mautpflichtigen Strecke registrieren und den Preis auf Basis der gefahrenen Entfernung und der Fahrzeugkategorie berechnen. Für schwere Fahrzeuge wird ENC verpflichtend sein, während Pkw-Fahrer zwischen ENC und dem kennzeichenbasierten Modell wählen können.
Die Idee dahinter ist, dass der Fahrer während der eigentlichen Fahrt nichts mehr tun muss. Kein Anhalten, kein Ticket, kein Bezahlen bei der Ausfahrt und keine Suche nach Karte oder Bargeld. Gerade deshalb muss jedoch alles, was für die Abrechnung notwendig ist, vor der Nutzung der Autobahn geklärt sein.
Bargeld verschwindet nicht vollständig – aber die Zahlung an der Ausfahrt schon
Eine häufige Fehlannahme zum neuen Crolibertas-System lautet, dass Maut künftig gar nicht mehr in bar bezahlt werden könne. HAC hat jedoch bereits klargestellt, dass das so nicht stimmt. Bargeld bleibt grundsätzlich als Zahlungsmöglichkeit erhalten, wird aber nicht mehr wie bisher an einer Mautstation bei der Ausfahrt übergeben, weil diese klassischen Stationen verschwinden.
Fahrer werden weiterhin an Verkaufsstellen von HAC und Konzessionären Zahlungen vornehmen oder andere vorgesehene Bezahlmodelle verwenden können. Die Autobahn selbst soll zum Bereich des freien Verkehrsflusses werden, während der finanzielle Teil der Mauterhebung in ein digitales und vorab registriertes System verschoben wird.
bleibt für Pkw eine Option
Kameras lesen automatisch das Kennzeichen
Fahrzeuge passieren die Mautstellen ohne Anhalten
aber nicht mehr als Zahlung am Schalter bei der Ausfahrt
Was passiert mit den Strecken, die heute mautfrei sind?
Eine der wichtigsten Fragen für viele Autofahrer ist, ob die Installation der neuen Portale automatisch bedeutet, dass ab 2027 auch bisher kostenlose Autobahnabschnitte mautpflichtig werden. Die Tatsache, dass sich über einer Fahrbahn ein Portal befindet, bedeutet nicht automatisch, dass dort Maut kassiert wird. Die Portale übernehmen auch Kontroll- und Erfassungsfunktionen und dienen unter anderem der Fahrzeugerkennung und Verkehrszählung.
HAC hat bereits früher betont, dass die Einführung des neuen Systems für sich genommen keine Ausweitung der Maut auf derzeit kostenlose Abschnitte bedeutet. Gleichzeitig legt das neue Gesetz zur Mauterhebung klar fest, dass die kroatische Regierung darüber entscheidet, ob auf einer bestimmten Autobahn oder einem bestimmten Objekt Maut eingeführt oder aufgehoben wird.
Das ist eine wichtige rechtliche Unterscheidung. Crolibertas ist das technische System, das eine Mauterhebung ermöglicht, entscheidet aber nicht selbst darüber, welche Strecken kostenpflichtig sind und welche nicht. Sollte sich der Status eines Abschnitts künftig ändern, wäre dafür eine gesonderte politische Entscheidung notwendig. Eine Kamera über der Autobahn bedeutet also nicht automatisch auch eine neue Rechnung für den Fahrer.
Ein neues Portal kann auch über einer Straße stehen, auf der keine Maut erhoben wird. Ob eine Strecke kostenpflichtig ist, entscheidet der Staat – nicht die Kamera oder die ENC-Antenne.
Probleme können künftig sogar durch eine abgelaufene Bankkarte entstehen
Die Digitalisierung bringt noch eine weitere Veränderung, auf die Fahrer achten müssen. Wenn ein Zahlungsmittel mit dem Benutzerkonto verbunden ist, muss es gültig bleiben. Eine abgelaufene Bankkarte, eine neue Karte oder ein anderes Zahlungsproblem ist dann nicht mehr nur eine kleine Bankangelegenheit, wenn genau diese Karte für die Bezahlung der Autobahnmaut hinterlegt wurde.
Das Gesetz sieht vor, dass ein Nutzer vor der Fahrt auf einer mautpflichtigen Strecke ordnungsgemäß im elektronischen System registriert sein muss. Wird die Autobahn ohne entsprechende Registrierung oder gültige Zahlungszuordnung genutzt, können neben der normalen Maut zusätzliche gesetzlich vorgesehene Gebühren entstehen. Fahrer werden ihre Daten deshalb künftig ähnlich sorgfältig überprüfen müssen wie heute den Kontostand ihres ENC-Kontos.
Besonders wichtig wird das für Menschen sein, die Autobahnen nur selten benutzen. Wer monatelang keine längere Fahrt unternimmt, kann leicht vergessen, dass sich inzwischen Bankkarte, Kennzeichen oder sogar das Fahrzeug geändert haben. Im heutigen System lässt sich manches noch direkt an der Mautstation klären. Im neuen System gibt es diese Station als persönlichen Kontaktpunkt nicht mehr.
Das Ziel: weniger Staus – aber auch eine komplette Veränderung der Gewohnheiten
Der sichtbarste Vorteil des neuen Systems soll der bessere Verkehrsfluss sein. Besonders während der Sommersaison sind kilometerlange Staus vor Lučko und anderen Mautstellen fast schon zu einem Symbol für Fahrten auf kroatischen Autobahnen geworden. Der freie Verkehrsfluss soll genau dieses Nadelöhr beseitigen – also den Punkt, an dem Tausende Fahrzeuge abbremsen oder stehen bleiben müssen, nur um die Maut zu bezahlen.
HAC geht davon aus, dass weniger Stopps kürzere Fahrzeiten, einen geringeren Kraftstoffverbrauch und weniger Emissionen bringen werden. Gleichzeitig sollen die Betriebskosten des klassischen Mautsystems sinken. Das Projekt hat einen Wert von mehr als 160 Millionen Euro und umfasst die Autobahnen von Hrvatske autoceste, Bina Istra und Autocesta Zagreb–Macelj. Anfang September waren 104 der geplanten 212 Portale installiert, während HAC und das Verkehrsministerium weiterhin betonen, dass der geplante Start am 1. März 2027 bestehen bleibt.
Für den Fahrer ist deshalb vielleicht die wichtigste Erkenntnis, dass das neue System nicht einfach „das alte ENC ohne Schranke“ ist. Die gesamte Logik der Mauterhebung verändert sich: Aus einer physischen Transaktion an der Ausfahrt wird eine digitale Erkennung des Fahrzeugs. Kennzeichen, ENC, Benutzerkonto und Zahlungsart werden Teile eines einzigen Systems.
Die größte Veränderung wird vielleicht nicht das Verschwinden der Mautstationen sein. Die größte Veränderung wird sein, dass vor der Einfahrt alles korrekt eingerichtet sein muss – weil bei der Ausfahrt niemand mehr hinter einem Schalter sitzt, dem man erklären kann, was schiefgegangen ist.
Für die meisten Nutzer dürfte das System nach der ersten Registrierung tatsächlich einfacher werden: auf die Autobahn fahren, normal weiterfahren und wieder abfahren, ohne anzuhalten. Die Übergangsphase wird dennoch viele Fragen aufwerfen, vor allem bei Fahrern mit mehreren Autos, Familien mit gemeinsam genutztem ENC, wechselnden Kennzeichen oder Menschen, die nur wenige Male pro Jahr eine Autobahn benutzen.
Deshalb werden die Monate bis zum 1. März 2027 fast genauso wichtig sein wie der Starttag selbst. Die Technik muss fertiggestellt und getestet werden. Noch wichtiger wird es jedoch sein, Millionen kroatischen und ausländischen Fahrern eine neue Grundregel verständlich zu machen: Wir werden künftig nicht mehr anhalten, um zu bezahlen – aber wir müssen vor der Fahrt sicherstellen, dass das System weiß, mit welchem Fahrzeug wir unterwegs sind und wie die Maut bezahlt wird.
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